Apothekenreform 2026: Bürokratieabbau und mehr Wettbewerb im Fokus
Nach fünf Jahren Diskussion hat die lang ersehnte Apothekenreform in Deutschland eine entscheidende Phase erreicht. Während die ersten Gespräche 2021–2022 noch auf Digitalisierung und die Sicherung der Arzneimittelversorgung während der Pandemie fokussiert waren, stehen nun Bürokratieabbau und mehr Wettbewerb im Mittelpunkt. Ein Gesetzentwurf wurde zwar Ende 2025 vorgelegt, doch auch im März 2026 sind zentrale Fragen noch ungeklärt.
In der Anfangsphase der Reform ging es vor allem um die Modernisierung der Apotheken durch E-Rezepte und die Absicherung der Medikamentenversorgung nach den Lieferengpässen während der Corona-Krise. Ab 2023–2024 intensivierten sich die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern, wobei übermäßige Regulierung und fehlender Wettbewerb im Fokus standen. Apothekeninhaber und Mitarbeiter forderten weitreichende Änderungen: Erleichterungen bei der Eröffnung neuer Standorte in unterversorgten Gebieten, straffreie verlängerte Öffnungszeiten sowie höhere Lohnkostenzuschüsse durch Anpassungen im Sozialversicherungsrecht. Zudem sollen E-Rezepte nach den Reformplänen verpflichtend werden.
In Dresden besuchte die SPD-Abgeordnete Rasha Nasr – ohne fachlichen Hintergrund in Gesundheitspolitik – die Knut-Apotheke, um sich vor Ort ein Bild von den Herausforderungen der Branche zu machen. Inhaber Michael Gäbe warnte, das aktuelle Vergütungssystem ermöglicht keine qualitativ hochwertige Versorgung. Zudem kritisierte er, dass eine Ausweitung der Aufgaben für Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) ohne Lösung des Personalmangels die Patientensicherheit und Servicequalität gefährden könnte.
Gäbe betonte, Apotheken müssten wirtschaftlich stabil bleiben, um ihrer Rolle als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen gerecht zu werden. Leistungen wie Medikationschecks oder erweiterte pharmazeutische Betreuung helfen, gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden und entlasten Ärzte sowie Krankenhäuser. Nasr nahm die Sorgen aufmerksam auf und versprach, sie in den anstehenden Bundestagsdebatten in Berlin einzubringen.
Der aktuelle Reformentwurf sieht faire Bezahlung, flexiblere Öffnungszeiten und weniger Standorteinschränkungen vor. Doch die vollständige Umsetzung steht noch aus. Apotheker fordern weiterhin nachhaltige Finanzierungs- und Personalmodelle, um ihre unverzichtbare Funktion in der Patientenversorgung langfristig zu sichern.






