22 March 2026, 06:17

Apothekenreform entscheidet über Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland

Ein Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie andere Länder, mit ein paar Flaschen und einer Spritze darunter.

Apothekenreform entscheidet über Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland

Deutschlands Arzneimittelversorgung steht am Scheideweg, warnt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Vorstandschef Matthias Schellenberg betont, dass anstehende politische Entscheidungen darüber bestimmen werden, ob Apotheken als zentraler Bestandteil des Gesundheitssystems erhalten bleiben – oder ob sie zunehmend marktwirtschaftlichen Kräften unterworfen werden. Seine Äußerungen spiegeln die wachsenden Spannungen zwischen den traditionellen Vor-Ort-Apotheken und dem expandierenden Einfluss von Online- und Versandapotheken wider.

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Schellenberg unterstrich, dass Arzneimittel keine gewöhnlichen Konsumgüter seien, und warnte davor, den Pharmasektor wie einen rein kommerziellen Markt zu behandeln. Er verwies auf die unverzichtbare Rolle der lokalen Apotheken bei der Arzneimittelsicherheit und der fachkundigen Beratung durch ausgebildete Apotheker:innen. Ohne angemessene Regulierung, so seine Argumentation, könnten die Zuverlässigkeit der Medikamentenversorgung und die Patientenberatung auf dem Spiel stehen.

Der Aufstieg der Online-Apotheken hat den Wettbewerb in den letzten Jahren verschärft. Seit 2023 haben digitale Anbieter bis 2025 einen Marktanteil von etwa 8 bis 12 Prozent erobert, wobei große Ketten wie Zur Rose und DocMorris ihre Dienstleistungen ausbauen. Dennoch entfallen auf die klassischen stationären Apotheken – darunter Filialen wie die Apotheke am Markt oder kommunale Einrichtungen – weiterhin 70 bis 75 Prozent des Marktes. Dennoch geraten sie zunehmend unter Druck durch die Online-Konkurrenz und regulatorische Änderungen bei der Arzneimittelpreisgestaltung.

Schellenberg warnte zudem vor der wachsenden Macht ausländischer Online-Händler und großer inländischer Einzelhandelsketten. Er forderte die Politik auf, die Sorgen der Apotheker:innen zu berücksichtigen, bevor das flächendeckende Gesundheitsnetz weiter geschwächt werde. Das Ergebnis der laufenden Apothekenreform, so der Vorstandschef, werde entscheiden, ob Apotheken als kritische Infrastruktur geschützt oder dem Markt überwlassen werden.

Unklar bleibt bisher, welche Forderungen der Branche im parlamentarischen Prozess Berücksichtigung finden. Schellenberg appellierte an die Abgeordneten, behutsam vorzugehen, um den sicheren Zugang zu Medikamenten und die professionelle Beratung der Patient:innen zu bewahren.

Die Diskussion über die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland kreist um die Frage, wie sich Wettbewerbsdruck und Patientensicherheit in Einklang bringen lassen. Zwar dominieren die traditionellen Apotheken noch immer den Markt, doch die Herausforderungen durch digitale und kommerzielle Konkurrenten nehmen zu. Die in den kommenden Monaten getroffenen Entscheidungen werden maßgeblich prägen, wie Medikamente künftig verteilt werden – und wer die öffentliche Beratung in Gesundheitsfragen übernimmt.

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