Bayerische Städte ersetzen Ampelmännchen durch lokale Kultfiguren – doch die Behörden sind alarmiert
Philipp MeyerWenn es grün ist, hoppeln Sie weiter - spezielle Verkehrslichtsymbole im Aufwind - Bayerische Städte ersetzen Ampelmännchen durch lokale Kultfiguren – doch die Behörden sind alarmiert
In ganz Bayern tauschen Städte die herkömmlichen Fußgängerampeln gegen Figuren aus, die die lokale Kultur widerspiegeln. Vom hüpfenden Hasen in Nürnberg bis zum Würstchenverkäufer in Hof zieren mittlerweile mindestens neun Standorte einzigartige Motive. Während Anwohner die verspielten Veränderungen begrüßen, zeigen sich die Landesbehörden besorgt – vor allem wegen der Verkehrssicherheit und Einheitlichkeit der Signalgebung.
Der Trend begann, als Städte begannen, regionalen Stolz über die alltägliche Infrastruktur zum Ausdruck zu bringen. München führte drei Ampeln mit dem Kobold "Pumuckl" ein, Straubing entschied sich für "Bruder Straubinger", eine lokale Mönchsfigur. In Dachau tragen die Ampelmännchen traditionelle bayerische Tracht, und in Deggendorf wirft eine Frau Knödel in die Luft. Besonders fotogen ist Nürnbergs "Junger Hase", inspiriert von Albrecht Dürers berühmten Gemälde, der derzeit bis 2028 als Pilotprojekt läuft.
Nicht alle Vorschläge wurden sofort genehmigt. Hofs Plan für eine "Wärschtlamo"-Ampel – eine Hommage an die 150 Jahre alte Tradition der Würstchenverkäufer – wurde zunächst aus Sicherheitsbedenken abgelehnt. Nach einer erneuten Prüfung erhielt das Design mit dampfendem Kessel schließlich grünes Licht. Auch Augsburgs "Kasperl"-Figur, aufgestellt in der Nähe des Theaters, erforderte eine Sondergenehmigung der Regierung von Schwaben.
Das bayerische Innenministerium äußert Vorbehalte und argumentiert, dass standardisierte Designs Klarheit und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleisten. Städte wie Nürnberg umgingen die Landesgenehmigung jedoch komplett und beriefen sich auf ihre alleinige Zuständigkeit für die Ampelanlagen. Zwar gibt es im Straßenverkehrsgesetz und den dazugehörigen Richtlinien Vorgaben für Ampeldesigns, doch setzen die Regionalregierungen diese mit unterschiedlicher Strenge um.
Weitere bemerkenswerte Beispiele sind Coburgs "Rostbratwurst" und Bayreuths Richard-Wagner-Ampel. Jedes Motiv wurde von den Einheimischen begeistert aufgenommen und verwandelt schlichte Fußgängerüberwege in kleine Identitätsfeste.
Die individuell gestalteten Ampeln sind zu einer humorvollen Möglichkeit für bayerische Städte geworden, ihr kulturelles Erbe zu präsentieren. Zwar betonen Beamte die Wichtigkeit klarer und erkennbarer Signale, doch die kulturellen Figuren halten Einzug an den Übergängen. Vorerst sorgt das Zusammenspiel von Tradition und Regulierung dafür, dass weitere einzigartige Entwürfe folgen könnten.






