Bayreuther Festspiele in der Kritik: Warum Michel Friedman fast nicht sprechen durfte
Emma SchmidtBayreuther Festspiele in der Kritik: Warum Michel Friedman fast nicht sprechen durfte
Bayreuther Festspiele geraten wegen Umgangs mit Michel-Friedman-Veranstaltung in die Kritik
Die Bayreuther Festspiele stehen wegen der Handhabung einer geplanten Veranstaltung mit Michel Friedman in der Kritik. Das Festival, das für seine langjährige Auseinandersetzung mit der eigenen umstrittenen Geschichte bekannt ist, zog kürzlich eine Einladung an den deutschen Journalisten und Philosophen zurück. Als Begründung wurden Sicherheitsbedenken genannt.
Die Beziehung Bayreuths zu seiner Vergangenheit ist komplex. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das Festival Maßstäbe bei der Aufarbeitung der historischen Verknüpfungen zwischen Kunst und Nationalsozialismus gesetzt. Regelmäßig fanden Symposien und Diskussionen über Richard Wagners Antisemitismus und die eigene Verstrickung des Festivals in die NS-Zeit statt. Einige Inszenierungen griffen diese Themen sogar direkt auf der Bühne auf.
Katharina Wagner, die Festivalleiterin, begründete den Rückzug der Einladung an Friedman mit Sicherheitsrisiken. Später entschuldigte sich das Festival bei ihm, und die Veranstaltung soll nun wie geplant stattfinden. Christian Thielemann, der Musikdirektor des Festivals, präzisierte, dass Gespräche über eine Veranstaltung mit Friedman zwar bereits vor über einem Jahr geführt worden seien, es aber nie eine verbindliche Zusage gegeben habe.
Friedman wirft Bayreuth vor, es mangele an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Antisemitismus. Dennoch haben jüdische Dirigenten – darunter auch solche mit kritischer Haltung – die musikalische Ausrichtung des Festivals maßgeblich geprägt. Die Festspiele gelten weiterhin als Vorreiter bei der Aufarbeitung schwieriger historischer Themen. Nach der Entschuldigung wird die Veranstaltung mit Michel Friedman nun doch stattfinden. Die Debatten über Antisemitismus und das Erbe des Festivals bleiben Teil seiner fortlaufenden Arbeit.






