Bundesbank-Chef Nagel überrascht mit Forderung nach gemeinsamen EU-Schulden
Emma SchmidtBundesbank-Chef Nagel überrascht mit Forderung nach gemeinsamen EU-Schulden
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, hat die EU aufgefordert, mehr gemeinsame Schulden aufzunehmen. Dies stellt eine bemerkenswerte Abkehr von der langjährigen deutschen Ablehnung solcher Maßnahmen dar. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der europäische Politiker über Wege diskutieren, die globale Rolle des Euro zu stärken.
Nagel argumentiert, dass ein tieferer Markt für gemeinsame europäische Schuldtitel liquider und sichere Vermögenswerte schaffen würde. Dies könnte seiner Meinung nach ausländische Investoren anziehen und die Position des Euro in Portfolios festigen. Gleichzeitig betont er, dass jeder Schritt schrittweise erfolgen und an klare Ziele geknüpft sein sollte – etwa die Verringerung der Abhängigkeit von US-Zahlungssystemen.
Seine Haltung steht im Kontrast zur bisherigen deutschen Ablehnung von Eurobonds, eine Position, die oft von der Bundesbank unterstützt wurde. Noch vor Kurzem hatte die deutsche Regierung den Vorstoß des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für mehr gemeinsame Schuldenaufnahme abgelehnt. Nun jedoch befürwortet Nagel eine gemeinsame Kreditaufnahme – vorausgesetzt, sie finanziert konkrete Projekte und wird von nationalen Bemühungen begleitet, die bestehenden Schulden abzubauen.
Die Idee von Eurobonds spaltet Europa seit Langem: Während südliche Länder sie befördern, lehnen nordische Staaten, darunter Deutschland, sie traditionell ab. Doch aktuelle Gespräche unter den Zentralbankern der Eurozone deuten auf wachsende Unterstützung für das Konzept hin, um Europa im Wettbewerb mit den USA und China zu stärken.
Nagels Vorschlag deutet auf einen möglichen Wandel in der deutschen Haltung zu gemeinsamen Schulden hin. Gleichzeitig unterstreicht er die breiteren Bestrebungen, das europäische Finanzsystem unabhängiger zu gestalten. Die Debatte über Eurobonds wird voraussichtlich weitergehen, während die Politiker die Vorteile gegen nationale Bedenken abwägen.
