05 June 2026, 15:22

Flughafen Kassel: Vom Prestigeprojekt zur teuren Geisterbahn

Flughafen Calden: Die Kassel Air-Nummer

Flughafen Kassel: Vom Prestigeprojekt zur teuren Geisterbahn

Flughafen Kassel startete vor über einem Jahrzehnt mit großen Ambitionen – er sollte Hunderttausende Passagiere pro Jahr abfertigen. Doch heute kämpft er mit fast leeren Flügen, wachsenden Verlusten und dem Ruf eines gescheiterten Projekts. Für 270 Millionen Euro erbaut, steht die Anlage nun vor Forderungen nach einer Verkleinerung, da sich die finanzielle Krise zuspitzt.

Der Flughafen nahm im April 2013 mit hohen Erwartungen den Betrieb auf. Die Verantwortlichen prognostizierten für das erste Jahr 324.000 Passagiere und 1.700 Tonnen Fracht. Am Eröffnungstag markierten eine Maschine der Germania und ein Jet von Tailwind Airlines den Start – doch der nächste Flug wurde wegen mangelnder Nachfrage gestrichen.

Seither verzeichnet Kassel nur sporadische Charterflüge, aber keinen Linienverkehr. 2024 gab es 23.320 Starts und Landungen mit gerade einmal 82.953 Passagieren – im Schnitt 7,1 pro Flugzeug. Die Frachtmengen waren mit zehn Tonnen ebenso ernüchternd. Das Fehlen regulärer Verbindungen brachte dem Flughafen in der Boulevardpresse den Spitznamen „Chaos-Airport“ ein.

Die Probleme des Flughafens liegen in seinem kleinen Einzugsgebiet und der Konkurrenz durch nahegelegene Drekreuze wie Frankfurt. Für Airlines lohnt sich der Betrieb nicht, sodass die Anlage auf gelegentliche Urlaubsflüge angewiesen ist. Im vergangenen Jahr versprach ein dubioses Start-up namens Fischer Air neue Strecken – doch es stellte sich heraus, dass das Unternehmen keine Zulassung besaß.

Mit jährlichen Verlusten von rund fünf Millionen Euro lastet die finanzielle Bürde auf dem Land Hessen, dem Landkreis und der Stadt Kassel sowie der Gemeinde Calden. Die Grünen schlagen nun vor, den Standort zu einem allgemeinen Flugplatz herabzustufen, um die Kosten zu senken – denn der aktuelle kommerzielle Status verursacht hohe Ausgaben.

Der Flughafen Kassel bleibt ein teures Prestigeprojekt mit wenig Gegenwert für die investierten 270 Millionen Euro. Nun steht die Anlage vor der Entscheidung: weiter fast leere Flüge subventionieren oder den Betrieb zurückfahren. Ohne grundlegende Änderungen wird die finanzielle Belastung für die kommunalen Haushalte weitergehen.

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