25 April 2026, 12:35

Freiburgs ruhiger Wahlkampf um das Oberbürgermeisteramt überrascht mit Sachlichkeit

Schwarzes und weißes Foto von Freiburg, Deutschland, mit Gebäuden, Bäumen und Menschen mit dem Text "Freiburg, Deutschland" unten.

Freiburgs ruhiger Wahlkampf um das Oberbürgermeisteramt überrascht mit Sachlichkeit

Freiburgs Rennen um das Oberbürgermeisteramt verläuft in ruhiger, fast entspannter Atmosphäre. Anders als in vielen Städten ist der Wahlkampf bisher weitgehend frei von Feindseligkeiten – sowohl online als auch im persönlichen Austausch. Obwohl sieben Kandidat:innen um das Amt konkurrieren, bleibt der Ton sachlich, selbst wenn die Stadt vor eigenen Herausforderungen steht.

Die extreme Rechte hat Freiburg längst als nicht gewinnbares Terrain abgetan, was Raum für eine gemäßigtere politische Debatte lässt. Dennoch ist diese Wahl von Bedeutung: Drei Favorit:innen haben sich aus einem bunten Bewerberfeld herauskristallisiert.

Der amtierende Oberbürgermeister Martin Horn regiert seit acht Jahren. Sein überraschender Sieg 2018 beendete die Ära des beliebten Grünen-Bürgermeisters Dieter Salomon. Nun sieht sich Horn Kritik ausgesetzt, etwa von Monika Stein, Pädagogin und Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW. Sie wirft ihm mangelnden Gestaltungswillen vor und verweist auf vernachlässigte Standorte wie die alte Stadthalle oder das stillgelegte Flugfeld.

Stein tritt als linke Kandidatin an, unterstützt von der Linken und den Grünen. Ein weiterer starker Herausforderer ist Achim Wiele, der CDU-Kandidat. Zu den Bewerbern zählt auch Sebastian Müller, ehemaliger Stadtrat für die Junge Liste Freiburg, der sich heute außerhalb klassischer Parteipolitik bewegt. Müller setzt sich für strengere Datenschutzregeln und mehr Bürgerbeteiligung bei der Solarenergie ein.

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Trotz seines Rufs als weltoffene Stadt kämpft Freiburg mit hartnäckigen Problemen: Im "Bermuda-Dreieck" und am Stühlinger Kirchplatz floriert der Drogenhandel, gelegentlich kommt es zu Gewalt. Doch die Stadt reagiert mit Bedacht – statt harter Repression setzt sie auf soziokulturelle Projekte. Ein "Kulturkiosk" am Stühlinger Kirchplatz bietet regelmäßig niedrigschwellige Veranstaltungen an, um den Stadtteil durch Gemeinschaftsarbeit zu beleben.

Rudi Raschke, langjähriger Pressesprecher des SC Freiburg, glaubt nicht, dass die Stadt eine visionäre Führungspersönlichkeit braucht. Stattdessen führt er Freiburgs Erfolg auf eine effiziente Verwaltung zurück – ein System, das ohne spektakuläre Umbrüche funktioniert. Dieser pragmatische Ansatz scheint zum politischen Klima der Stadt zu passen, in dem polarisierende Rhetorik selten Fuß fasst.

Auch der Wahlkampf selbst spiegelt diese Gelassenheit wider. Neun Namen stehen auf dem Stimmzettel, doch nur sieben Kandidat:innen nahmen kürzlich an einer Debatte im Bürgerhaus am Seepark teil. Der Ton blieb konstruktiv, frei von der Schärfe, die andere deutsche Städte prägt. Selbst die extreme Rechte, die andernorts an Einfluss gewinnt, ignoriert Freiburg weitgehend – als sei die Stadt ohnehin verloren.

Der oder die künftige Oberbürgermeister:in erbt eine Stadt, die Fortschritt mit Geduld verbindet. Freiburgs gemäßigtes politisches Klima und eine funktionierende Verwaltung sorgen für zivile Wahlkämpfe, doch Herausforderungen wie städtischer Verfall und lokale Kriminalität bleiben. Die oder der Gewählte muss diese angehen, ohne den Ruf der Stadt als Hort der Stabilität und pragmatischen Lösungen zu gefährden. Die Wahl wird zeigen, ob Kontinuität oder ein neuer Kurs die Oberhand behält.

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