Gedenkfeier in Halle eskaliert: Russische Fahnen entfachen politischen Streit um Befreiungsjubiläum
Emma SchmidtGedenkfeier in Halle eskaliert: Russische Fahnen entfachen politischen Streit um Befreiungsjubiläum
Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) eskaliert in politischen Streit
Eine Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) geriet in turbulente Bahnen, als politische Gräben aufbrachen. Die Feierlichkeiten auf dem Südfriedhof ehren dort begrabene sowjetische Soldaten – obwohl die Stadt 1945 tatsächlich von US-Truppen befreit wurde. Für Aufsehen sorgte eine Gruppe, die mit russischen Fahnen erschien und damit scharfe Kritik von Veranstaltern und Teilnehmenden alike auf sich zog.
Der Südfriedhof in Halle beherbergt die Gräber von 977 sowjetischen Bürgern und gilt als größtes Mahnmal der Region für ihren Einsatz im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland. Historisch gesehen wurde die Stadt jedoch im April 1945 von der US-Armee und nicht von der Roten Armee befreit.
Die Spannungen spitzten sich zu, als Mitglieder der „Halle-Bewegung“ mit russischen Fahnen und Symbolen auftauchten. Die Veranstalter verurteilten die Gruppe umgehend und warfen ihr vor, die rechtspopulistische AfD sowie Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Lukas Wanke von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) betonte später, dass die Würdigung der Opfer der Roten Armee niemals als Rechtfertigung für heutige Ungerechtigkeiten oder autoritäre Regime dienen dürfe.
Die stellvertretende Oberbürgermeisterin, Dr. Judith Marquardt, niederlegte im Namen von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt einen offiziellen Kranz. Im Anschluss begaben sich die Teilnehmenden zu einer Gedenkstätte für deutsche Widerstandskämpfer, wo sie Blumen niederlegten. Eric Stehr, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken in Sachsen-Anhalt, warnte davor, autoritäre Systeme zu verklären, während Wanke zu anhaltender Wachsamkeit gegen rechtsextreme Ideologien aufrief. Die Kämpfe der Widerstandsbewegungen bezeichnete er als einen „noch nicht beendete[n] Kampf“.
Die Veranstaltung endete mit Ehrungen für sowjetische und deutsche Widerstandskämpfer, doch politische Auseinandersetzungen überschatten Teile der Feier. Die Rolle des Mahnmals als Symbol der antifaschistischen Geschichte bleibt dabei unbestritten – auch wenn die Debatten über seine heutige Bedeutung anhalten. Die Veranstalter bekräftigten ihre Ablehnung rechtsextremer Positionen und ausländischer Konflikte und betonten, dass das Erbe der Befreiung auch das heutige Handeln leiten müsse.






