Heraeus stellt 460 Millionen Euro zurück: Vorwürfe der Metallveruntreuung und systematische Vertuschung
Philipp MeyerHeraeus stellt 460 Millionen Euro zurück: Vorwürfe der Metallveruntreuung und systematische Vertuschung
Der Technologiekonzern Heraeus hat 460 Millionen Euro zurückgestellt, um finanzielle Risiken im Zusammenhang mit Vorwürfen der Vorenthaltung von kundeneigenen Metallen abzufedern. Unternehmenschef Franz Haniel räumte ein, dass vergangene Probleme nicht transparent aufgearbeitet wurden. Diese Entwicklungen folgen auf langjährige interne Warnungen vor rechtswidrigem Verhalten in der Recycling-Sparte des Konzerns, die bereits 2013 erstmals geäußert wurden.
Ein von einer Kanzlei erstellter Bericht identifizierte sieben möglicherweise illegale Praktiken bei Heraeus. Darin wird der Vorstand beschuldigt, die unrechtmäßige Handhabung von Produktionsresten systematisch fortgeführt zu haben. Zudem hatte das Unternehmen die Kanzlei Clifford Chance angewiesen, detaillierte Schilderungen von Fehlverhalten aus einem Entwurf eines Berichts von 2015 zu entfernen, um keine schriftlichen Beweise zu hinterlassen.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile gegen 16 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter wegen Betrugs- und Untreueverdachts. Die Untersuchungen erstrecken sich auch auf die Heraeus-Tochter Electro-Nite, die wegen möglicher Verstöße gegen EU-Sanktionen in der Zeit zwischen 2022 und Mitte 2025 unter Beobachtung steht. Zudem deckte der Konzern weitere mögliche Verfehlungen in anderen Unternehmensbereichen auf, darunter Verstöße gegen EU-Sanktionen gegenüber Russland.
Konzerchef Frank Stietz gab zu, dass das Unternehmen seine eigenen Werte nicht gelebt habe. Er betonte, dass nun Maßnahmen ergriffen würden, um die Situation zu bereinigen. Auch Haniel erkannte an, dass bei der Aufarbeitung vergangener Probleme Transparenz gefehlt habe.
Mit der hohen Rückstellung will Heraeus die finanziellen Folgen der Vorwürfe abfedern. Die laufenden Ermittlungen und internen Prüfungen legen strukturelle Defizite im Unternehmen offen. Angesichts der fortgesetzten rechtlichen und behördlichen Überprüfungen dürfte die Aufklärung des gesamten Ausmaßes des Fehlverhaltens noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
