Hessen reformiert Vergaberecht: Höhere Schwellenwerte und Tarifbindung für faire Löhne
Niklas BrandtKommunen in Hessen sollen Verträge leichter ausschreiben können - Hessen reformiert Vergaberecht: Höhere Schwellenwerte und Tarifbindung für faire Löhne
Die hessische Koalitionsregierung treibt eine umfassende Reform des öffentlichen Vergaberechts voran. Das neue Gesetz soll Investitionen beschleunigen, faire Löhne sichern und die Vergabe von Aufträgen vereinfachen. Gleichzeitig äußern Oppositionsparteien Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Bisher mussten öffentliche Aufträge ab einem Volumen von 10.000 Euro formal ausgeschrieben werden. Die geplanten Änderungen heben diese Schwellenwerte deutlich an: Lieferungen und Dienstleistungen können künftig bis zu einem Wert von 100.000 Euro ohne vollständige Ausschreibung vergeben werden, bei Bauvorhaben steigt die Grenze sogar auf 750.000 Euro. Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (Hessen) kündigte die Modernisierung an und argumentierte, sie biete schnellere Planungssicherheit und fördere faire Arbeitsbedingungen.
Die Reform knüpft öffentliche Aufträge zudem enger an Tarifverträge. Unternehmen, die den Zuschlag erhalten, müssen branchenspezifische Lohnabkommen einhalten, um zuverlässige Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass dies zwar im Bausektor reibungslos funktionieren könnte, in Branchen wie Start-ups, wo Tarifbindungen seltener sind, jedoch zu Komplikationen führen könnte.
Bei der ersten Lesung des überarbeiteten Vergabe- und Tariftreuegesetzes im Landtag meldeten sich oppositionelle Stimmen zu Wort. Stefan Naas (FDP) begrüßte zwar die höheren Schwellenwerte, hinterfragte aber die von der SPD geforderte verbindliche Tariflohn-Regelung. Er bezeichnete den Gesetzentwurf als Kompromiss zwischen den Effizienzzielen der CDU und den Arbeitnehmerschutzinteressen der SPD. Die Verabschiedung des Gesetzes wird vor der Sommerpause erwartet.
Sollten die Änderungen beschlossen werden, handele es sich um eine der größten Reformen des hessischen Vergaberechts seit Jahren. Behörden hätten künftig weniger bürokratische Hürden bei kleineren Aufträgen zu bewältigen, während Auftragnehmer strengere Lohnvorgaben erfüllen müssten. Die endgültige Abstimmung ist noch vor der parlamentarischen Sommerpause angesetzt.






