17 March 2026, 00:58

Milo Rau inszeniert fiktiven AfD-Prozess im Thalia Theater Hamburg

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktiven AfD-Prozess im Thalia Theater Hamburg

Ein umstrittenes Theaterprojekt wird in diesem Monat im Hamburger Thalia Theater im Mittelpunkt stehen: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert Der Prozess gegen Deutschland, eine dreitägige fiktive Gerichtsverhandlung über ein mögliches Verbot der rechtsextremen AfD in Deutschland. Zum ersten Mal bringt Rau eines seiner politisch aufgeladenen "Prozesse" nach Deutschland.

Die Veranstaltung bildet den Abschluss der diesjährigen Hamburger Lessingtage, einem Festival, das 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet wurde. Anders als klassisches Theater wird die Verhandlung von echten Juristen geleitet, darunter die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Vorsitzende Richterin. Die diesjährige Ausgabe des Festivals wurde von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird.

Rau ist bekannt dafür, dokumentarische Aufführungen mit realen politischen Themen zu verbinden. Seine früheren Werke wie Das Kongo-Tribunal (2015), Die Moskauer Prozesse (2013) und Hassradio (2010) haben historische Ungerechtigkeiten mit Laiendarstellern und provokanter Bühnenregie nachgestellt. Der Prozess gegen Deutschland folgt diesem Ansatz: Die Live-Verhandlung wird auf der Website des Theaters übertragen.

Im Zentrum steht die Frage, ob die AfD nach deutschem Recht verboten werden sollte. Statt eines klassischen Theaterstücks analysieren Juristen und Rechtsexperten die Argumente in einem strukturierten Gerichtsformat. Raus Methode fordert das Publikum heraus, indem sie abstrakte Debatten in immersive, konfrontative Erlebnisse verwandelt.

Die Verhandlung findet vom 28. bis 30. Juni statt und bringt Raus markante Inszenierung erstmals einem deutschen Publikum näher. Rechtsexperten leiten die Diskussion, während Zuschauer die Debatte online verfolgen können. Das Ergebnis hat zwar keine rechtliche Bindung, soll aber eine öffentliche Reflexion über Demokratie und Extremismus in Deutschland anstoßen.

AKTUALISIERUNG

Jury fällt Urteil im Prozess gegen Deutschland

Das nicht bindende Urteil der Prozess gegen Deutschland-Jury wurde am 15. Februar 2026 verkündet. Wichtige Entscheidungen waren:

  • 5–2-Mehrheit, die AfD in Bereichen wie Menschenwürde für verfassungswidrig erklärt.
  • 5–2-Mehrheit, die die Überprüfung eines Verbots durch Verfassungsorgane fordert.
  • 4–3-Entscheidung, AfD von der staatlichen Finanzierung auszuschließen.