Neobroker suchen mit Bestandsprovisionen nach neuem ETF-Geschäftsmodell
Niklas BrandtNeobroker suchen mit Bestandsprovisionen nach neuem ETF-Geschäftsmodell
Neobroker in Deutschland drängen auf neues Geschäftsmodell mit ETFs
Mit dem Wegfall einer wichtigen Einnahmequelle zum 30. Juni suchen digitale Handelsplattformen nach neuen Wegen, um mit börsengehandelten Fonds (ETFs) Geld zu verdienen. Die Neobroker verhandeln derzeit mit ETF-Anbietern über die Einführung von Bestandsprovisionen – ein Novum in einem Markt, der bisher auf laufende Gebühren weitgehend verzichtet hat. Die Gespräche könnten die Art und Weise verändern, wie ETFs vertrieben und verkauft werden.
Der Druck wächst, da den Neobrokern ab Ende Juni die Orderflow-Vergütung entfällt, eine bisher zentrale Einnahmequelle. Als Reaktion darauf loten sie nun mit ETF-Anbietern die Möglichkeit aus, Provisionen auf Basis des verwalteten Vermögens zu erheben – ein Modell, das im ETF-Bereich bisher unüblich war. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat bestätigt, dass solche Verhandlungen im Gange sind.
Andreas Hackethal, Professor für Finanzwirtschaft, geht nicht davon aus, dass die Änderungen zwangsläufig zu höheren Kosten für Anleger führen werden. Er argumentiert, dass der Wettbewerb unter den ETF-Anbietern die Gebühren im Zaum halten könnte. Gleichzeitig könnten Neobroker auch andere Einnahmequellen erschließen, etwa durch den Aufbau eigener Handelsplattformen oder die Entwicklung eigener Finanzprodukte.
Branchenkenner erwarten, dass ETF-Anbieter und Broker künftig vermehrt Provisionen untereinander aufteilen werden – insbesondere bei spezialisierten Fonds wie thematischen oder aktiv gemanagten ETFs. Dies wäre ein deutlicher Bruch mit dem bisherigen Modell, das auf günstige, gebührenfreie Vertriebswege setzt.
Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, könnte sich die Art und Weise, wie ETFs Brokern Einnahmen bringen, grundlegend ändern. Der Wegfall der Orderflow-Vergütung zwingt die Neobroker zum Umdenken, und Bestandsprovisionen könnten sich als neuer Standard etablieren. Bis dahin beobachten Anbieter und Aufseher gespannt, wie sich der Markt an die möglichen Veränderungen anpasst.






