09 June 2026, 20:10

Pflegereform 2028: Fortschritte und scharfe Kritik an Bundesplänen

Gesundheitsministerin Diana Stolz zur Bundespflegereform

Pflegereform 2028: Fortschritte und scharfe Kritik an Bundesplänen

Der jüngste Entwurf der Bundesregierung zur Pflegereform stößt auf ein geteiltes Echo: Einerseits bringt er wichtige Fortschritte wie inflationsangepasste Leistungen und bessere Präventionsmaßnahmen, andererseits sorgen Änderungen wie Kürzungen bei der Rentenversicherung für pflegende Angehörige für scharfe Kritik. Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz bezeichnet Teile des Plans als ungerecht und wirft der Regierung vor, die finanzielle Last auf besonders schutzbedürftige Gruppen abzuwälzen.

Der Reformentwurf sieht mehrere Neuerungen vor. Ab 2028 sollen Pflegeleistungen jährlich an die Inflation angepasst werden. Ein Überbrückungshaushalt stellt zudem Notfallmittel bereit, und ein neuer Anspruch auf Pflegeberatung soll Familien den Zugang zum System erleichtern. Darüber hinaus werden Prävention und Rehabilitation gestärkt, während die Leistungsregelungen vereinfacht werden.

Doch nicht alle Änderungen finden Zustimmung. Besonders umstritten ist die geplante Verlängerung der Mindestaufenthaltsdauer in Pflegeheimen, die für den Bezug von Zusatzleistungen erforderlich ist. Kritiker warnen, dass dadurch die Eigenbeteiligung der Bewohner steigt und die Abhängigkeit von Sozialhilfe zunimmt. Ein weiterer Streitpunkt sind die geplanten Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige – eine Maßnahme, die Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz als „inakzeptabel“ bezeichnet. Sie argumentiert, dass dies vor allem Frauen benachteilige und die Familienpolitik untergrabe.

Hessen verfolgt einen eigenen Ansatz in der Pflege, den Stolz als vorbildlich hervorhebt. Im Rahmen des Landesprogramms „Gemeinschaftliche Pflege“ unterstützen 91 Pflegekoordinatoren ältere Menschen, bevor sie auf formelle Pflege angewiesen sind. Lokale Pflegeberatungsstellen bieten zudem niedrigschwellige Hilfe an. Stolz hat den Bundesgesundheitsminister eingeladen, sich vor Ort in Hessen ein Bild von dem Programm zu machen.

Der Reformentwurf geht mit Inflationsanpassungen und Notfallfinanzierungen wichtige Schritte in Richtung einer besseren Langzeitpflege. Doch die geplanten Rentenkürzungen und höheren Eigenbeteiligungen werfen Fragen nach der Gerechtigkeit auf. Hessens Modell, das auf frühe Unterstützung und lokale Erreichbarkeit setzt, zeigt einen alternativen Weg auf.

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