Von Hexenfeuern bis zu Arbeiterprotesten: Deutschlands magischer Mai beginnt
Emma SchmidtVon Hexenfeuern bis zu Arbeiterprotesten: Deutschlands magischer Mai beginnt
Deutschland feiert im Mai: Von Hexenfesten bis zu politischen Kundgebungen
Mit dem Mai halten in ganz Deutschland uralte Bräuche, ausgelassene Feiern und politische Demonstrationen Einzug. Von Hexenfesten im Harz bis zu Raves und Protesten in Berlin verschmelzen in der Nacht vom 30. April und am folgenden Tag Folklore, Romantik und Arbeitergeschichte auf einzigartige Weise.
Die Feierlichkeiten beginnen bereits am 30. April, der in der Harzregion als Walpurgisnacht bekannt ist. Benannt nach der Heiligen Walburga, steht dieser Abend im Zeichen von Hexenversammlungen, großen Feuern und verkleideten Gestalten. Andernorts trägt die Nacht den Namen Tanz in den Mai – eine Gelegenheit, mit Musik und Partys den Frühling tanzend zu begrüßen.
Die Wurzeln der Maifeiern reichen jedoch noch weiter zurück. Schon die alten Römer ehrten während der Floralia vom 28. April bis 3. Mai Flora, die Göttin der Blüten. Jahrhunderte später hielt der deutsche Dichter Eduard Mörike im 19. Jahrhundert die Unberechenbarkeit der Jahreszeit fest, als er schrieb: „Der April ist kaum Frühling – weder halb noch ganz.“
Der 1. Mai selbst ist der Tag der Arbeit, ein Datum, das von der amerikanischen Arbeiterbewegung gewählt wurde, um an eine Massenkundgebung in Australien im Jahr 1856 zu erinnern. In Deutschland wird Berlin zum Mittelpunkt: Hier finden linke Demonstrationszüge, historische Führungen durch Kreuzberg und durchtanzte Nächte statt. Bei geführten Spaziergängen wird die rebellische Vergangenheit des Viertels lebendig, das für seine Protestkultur bekannt ist.
Auf dem Land steht der Maibaum im Mittelpunkt. Es gibt zwei Varianten: einen zum Tanzen und einen zum Klettern. In den Alpenregionen messen sich junge Männer im Wettlauf nach oben – der schnellste Kletterer gewinnt Preise und lokales Ansehen. Ein weiterer Brauch, der Liebesmai, sieht unverheiratete Männer dabei, kleinere Maibäume vor den Häusern ihrer Auserwählten aufzustellen.
Die ersten Maitage verbinden heidnische Traditionen, politisches Engagement und Gemeinschaftsgeist. Ob bei Hexenfesten, Arbeiterprotesten oder Kletterwettbewerben – die Bräuche spiegeln sowohl regionale Identität als auch gemeinsame Geschichte wider. Für viele markieren diese Feiern nicht nur den Wechsel der Jahreszeit, sondern auch eine Verbindung zur Vergangenheit.






