Wie eine ZDF-Enthüllung den rechtsextremen YouTube-Kanal Clownswelt berühmt machte
Mia SchmitzWie eine ZDF-Enthüllung den rechtsextremen YouTube-Kanal Clownswelt berühmt machte
Eine Untersuchung des ZDF Magazin Royale aus dem Jahr 2024 über den rechtsextremen YouTube-Kanal Clownswelt hatte unerwartete Folgen. Statt den Ruf des Kanals zu schädigen, führte der Enthüllungsbericht zu einem massiven Anstieg seiner Reichweite und Einnahmen. Die Kontroverse löste zudem juristische Debatten aus und zog eine Welle der Kritik gegen die beteiligten Journalisten nach sich.
Anfang 2024 präsentierten der Satiriker Jan Böhmermann und der Zeit-Online-Journalist Christian Fuchs in einer Sendung den bis dahin weitgehend unbekannten YouTube-Kanal Clownswelt, der damals etwa 220.000 Abonnenten und weniger als 10 Millionen monatliche Aufrufe verzeichnete. Bis Mai 2025 stieg die Abonnentenzahl auf 384.000 an, und im Juni überschritten die monatlichen Views die Marke von 100 Millionen – das Zehnfache des ursprünglichen Werts. Durch die öffentliche Aufmerksamkeit und virale Diskussionen wuchs die Abonnentenzahl schließlich auf 2,5 Millionen an.
Kritiker warfen Böhmermann und Fuchs vor, aggressive Methoden angewandt zu haben; einige konservative Medien verglichen ihre Vorgehensweise sogar mit denen der Stasi. Der Medienanwalt Christian Solmecke argumentierte später, das Duo könnte gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben, der das öffentliche Bloßstellen privater Daten unter Strafe stellt. Fuchs verteidigte die Recherche mit dem Hinweis, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien, um die Privatsphäre des YouTubers zu schützen.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hinterfragte die in der Sendung aufgestellten Behauptungen und monierte, es gebe keine klaren Belege dafür, dass Clownswelt grundsätzlich "rechtsextrem" oder "gefährlich" sei. Unterdessen blieb die finanzielle Situation des Kanals unangetastet – er fuhr weiterhin Werbeeinnahmen ein. Als Gegenreaktion forderten einige Nutzer in sozialen Medien die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs, was die Auseinandersetzung weiter anheizte.
Die Untersuchung zu Clownswelt schwächte den Kanal keineswegs, sondern steigerte dessen Einfluss und Profite beträchtlich. Die Journalisten hingegen sahen sich mit juristischen Prüfungen und öffentlicher Kritik konfrontiert. Der Fall entwickelte sich seitdem zu einem umstrittenen Beispiel dafür, wie mediale Aufmerksamkeit kontroverse Figuren eher verstärkt als unterdrückt.






