Wiesbadens Gastronomie spart Steuern – doch wer profitiert wirklich?
Philipp MeyerWiesbadens Gastronomie spart Steuern – doch wer profitiert wirklich?
Wiesbadens Gastronomie profitiert seit Januar von ermäßigtem Mehrwertsteuersatz – doch weder Beschäftigte noch Gäste kommen in den Genuss
Seit Januar gilt in der deutschen Gastronomie der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Allein in Wiesbaden sind davon rund 620 Restaurants, Bars und Cafés betroffen. Doch weder das Personal noch die Gäste spürten bisher Vorteile davon, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert.
Durch die Senkung verbleiben den Betrieben bei jedem ausgegebenen Zehn-Euro-Schein eines Gastes 95 Cent mehr in der Kasse. In der hessischen Landeshauptstadt arbeiten laut NGG-Angaben auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit etwa 7.200 Menschen in der Branche.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Hessen (DEHOGA Hessen) gibt an, die zusätzlichen Einnahmen für den Erhalt von Arbeitsplätzen, die Verbesserung der Ausbildung und die Modernisierung der Betriebe zu nutzen. Verbandspräsident Robert Mangold betont, die ermäßigte Steuer schaffe „steuerliche Gerechtigkeit“ zwischen dem Verzehr vor Ort und dem Mitnehmen von Speisen. Die Gewerkschaft hingegen wirft vielen Arbeitgebern vor, ihre Beschäftigten weiterhin nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn abzuspeisen – ein Lohnniveau, das sie als „unwürdig“ bezeichnen.
Hendrik Hallier von der NGG Rhein-Main warnt vor „Profitsucht einzelner Gastronomen“. Die Gewerkschaft fordert für Fachkräfte in Hessen einen Stundenlohn von 16,74 Euro.
Während einige Betriebe in Wiesbaden die Steuersenkung nutzen, um in Mitarbeiter und Infrastruktur zu investieren, steht andere in der Kritik, die Ersparnis weder an das Personal noch an die Gäste weiterzugeben. Die finanziellen Spielräume, die der niedrigere Steuersatz bietet, kommen so nicht bei allen an.






