12-Stunden-Regel an Tankstellen treibt Benzinpreise nach oben – Studie enthüllt unerwartete Gewinner
Niklas Brandt12-Stunden-Regel an Tankstellen treibt Benzinpreise nach oben – Studie enthüllt unerwartete Gewinner
Eine neue Studie zeigt, dass die in Deutschland eingeführte 12-Stunden-Regel für Preiserhöhungen an der Zapfsäule die Gewinne der Tankstellenbetreiber gesteigert hat. Die am 1. April in Kraft getretene Regelung sollte eigentlich für stabilere Spritpreise sorgen, führte jedoch stattdessen zu höheren Margen bei Superbenzin. Kritiker hatten bereits im Vorfeld gewarnt, dass die Änderung die Kraftstoffkosten eher in die Höhe treiben als sie zu kontrollieren könnte.
Forschende analysierten Daten des Markttransparenzstellen für Kraftstoffe (MTS-K) und verglichen die 14 Tage vor und nach der Reform. Dabei stellten sie fest, dass sich die Gewinnspannen bei Superbenzin in den ersten beiden Wochen im Schnitt um 6 Cent pro Liter erhöhten. Bei Diesel waren hingegen keine klaren Trends erkennbar – starke Schwankungen machten hier eine mögliche Steigerung schwer messbar.
Die Auswirkungen fielen regional unterschiedlich aus. Besonders stark stiegen die Preise in Süddeutschland, was mit höheren Einkommen und Unterschieden in den Rohöl-Lieferketten zusammenhängt. Kleinere Tankstellenketten und unabhängige Betreiber profitierten am meisten, während größere Anbieter nur moderate Zuwächse verzeichneten.
Expertinnen und Experten bewerteten die ungleichen Effekte. Leona Jung vom Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) betonte, dass die Regelung die Preise nicht gesenkt habe – im Gegenteil: Die Margen bei Benzin seien deutlich gestiegen. Jacob Schildknecht vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) verwies auf die starke Volatilität bei Diesel, die eine Einschätzung erschwere. Justus Haucap, Direktor des DICE, ergänzte, dass der Erfolg der Reform stark von lokaler Konkurrenz und Marktstruktur abhänge.
Die 12-Stunden-Regel orientiert sich an einem österreichischen Vorbild. Schon vor ihrer Einführung hatten Kritiker davor gewarnt, dass sie zu vorsorglichen Preiserhöhungen führen und die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher steigern könnte.
Die Studie bestätigt, dass die Reform bisher vor allem den Tankstellenbetreibern zugutekam – besonders in Regionen mit höheren Einkommen und geringerem Wettbewerb. Während die Diesel-Margen instabil blieben, stieg die Spanne bei Superbenzin deutlich. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wirkung der Regelung stark von den lokalen Marktbedingungen abhängt und keine einheitlichen Vorteile bringt.






