02 April 2026, 12:19

AfD zerrissen: Machtkampf um US-Politik spaltet die Rechtspopulisten

Deutsches Propagandaplakat für die NSDAP mit zwei Männern auf einem Sofa mit Text.

AfD zerrissen: Machtkampf um US-Politik spaltet die Rechtspopulisten

Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik reißt die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) auseinander. Die Parteiführung sieht sich mit offener Rebellion aus den eigenen Reihen konfrontiert, nachdem Co-Vorsitzender Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland gefordert hatte. Die Auseinandersetzung legt tiefe Gräben offen: Während einige Funktionäre eine engere Anbindung an Donald Trump anstreben, lehnen andere antiamerikanische Rhetorik kategorisch ab.

Der Konflikt eskalierte, nachdem Chrupallas Forderung nach dem Abzug der US-Streitkräfte innerhalb der Partei auf scharfe Kritik stieß. Insider warnen, dass ein mangelnder Einfluss auf den Co-Chef zu einer Spaltung führen könnte. Seine Position steht in krassem Widerspruch zu der des AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah, der betonte, Deutschland brauche "starke Partner" – eine klare Abkehr von Chrupallas Haltung.

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Die wechselhafte Haltung der AfD gegenüber den USA verschärft die Krise. Unter Chrupalla und Alice Weidel vollzog die Partei den Wandel von antiamerikanischer Rhetorik hin zu einer Annäherung an Trumps Bewegung und pries das "Ende des Woke-Wahns" in den USA. Weidel unterstrich diese Ausrichtung in einer Bundestagsrede im November 2025, als sie die AfD als Verlängerung von Trumps und Putins Politik darstellte. Doch dieser Kurswechsel hat interne Widerstände nicht zum Verstummen gebracht.

Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD, wirft der von Björn Höcke angeführten prorussischen Fraktion vor, ihn aus der Partei drängen zu wollen. Lucassens deutliche Unterstützung für westliche Bündnisse und seine Warnung vor Russland als größter NATO-Bedrohung haben ihn zum Ziel innerparteilicher Angriffe gemacht. Gleichzeitig verfasste Hannes Gnauck, ein weiterer Verteidigungsexperte der AfD, während der Iran-Krise eine proamerikanische Pressemitteilung – doch die Parteiführung verhinderte deren Veröffentlichung.

Die Kontroversen beschränken sich nicht auf die Beziehung zu den USA. Martin Sellners "Remigrations"-Pläne sind zur Belastung geworden: Krah fordert, die Partei müsse sich explizit davon distanzieren. Kritiker argumentieren, dass die extremen Positionen der AfD in Innen- und Außenpolitik die politische Quarantäne – die Weigerung anderer Parteien, mit ihr zusammenzuarbeiten – weiter zementiert haben.

Das Zögern der Führung, sich von Sellners Vorhaben zu distanzieren, hat die Spannungen zusätzlich angeheizt. Der Politikwissenschaftler Prof. Marcel Lewandowsky verweist auf die strategische Neuausrichtung der AfD hin zu Trumps Netzwerk – doch dies habe die inneren Konflikte nicht gelöst, sondern die Partei vielmehr zwischen konkurrierenden Zukunftsvisionen zerrissen.

Nun steht die AfD vor einer entscheidenden Nagelprobe. Die Führung muss entweder Chrupallas Forderungen eindämmen oder eine formelle Abspaltung riskieren. Der Streit hat bereits die Glaubwürdigkeit der Partei untergraben, da Mitglieder öffentlich die offizielle Linie widersprechen. Wie die Führung reagiert, wird darüber entscheiden, ob die AfD zusammenhält – oder an ihren eigenen Widersprüchen zerbricht.

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