Apotheken kämpfen gegen tausendfache Rückforderungen wegen fehlender Chargennummern
Niklas BrandtApotheken kämpfen gegen tausendfache Rückforderungen wegen fehlender Chargennummern
Apotheken in ganz Deutschland sehen sich mit unerwarteten Rückforderungen von Krankenkassen konfrontiert – ausgelöst durch fehlende Chargennummern auf E-Rezepten. Seit Anfang 2025 hat sich das Problem verschärft, mittlerweile sind rund 1.200 Apotheken betroffen, vor allem in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Ein Apotheker in Rheinland-Pfalz erhielt bereits Rückforderungsbescheide in Höhe von fast 10.000 Euro.
Dr. Eyas Dayyoub, Inhaber der Seebach-Apotheke in Westhofen, gehörte zu den Ersten, die solche Forderungen erhielten. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), vertreten durch den Dienstleister Spektrum K, verschickte Ende 2025 Bescheide für zwei teure Medikamente: Imraldi 40 mg und Pemazyre 9 mg. Begündet wurde dies mit fehlenden patientenbezogenen Chargennummern – eine gesetzliche Pflichtangabe bei elektronischen Rezepten.
Dayyoub widersprach umgehend und argumentierte, dass alle erforderlichen Daten über das ARZ Darmstadt, das Abrechnungszentrum, übermittelt worden seien. Dieses hatte betroffenen Apotheken zuvor versichert, dass ihre Unterlagen vollständig seien. Dennoch bleiben die Rückforderungen – teilweise aus Februar 2025 – bis heute ungelöst.
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) kritisiert die Abzüge als rechtswidrig. Laut DAV entstünden den Kassen durch fehlende Chargennummern keine finanziellen Nachteile, zudem sei die Arzneimittelsicherheit nicht gefährdet. Dennoch besteht das gesetzliche Recht auf Rückforderungen – Apotheken müssen nun im Einzelfall dagegen vorgehen.
Allein in Rheinland-Pfalz wurden rund 30 Apotheken von der SVLFG in Anspruch genommen. Bundesweit verteilen sich die meisten Fälle auf Bayern (über 400), Nordrhein-Westfalen (etwa 350) und Baden-Württemberg (rund 250).
Der Streit offenbart die wachsenden Spannungen zwischen Apotheken und Kassen bei der Umsetzung der E-Rezept-Pflichten. Mit bis zu 10.000 Euro auf dem Spiel könnte der Ausgang von Dayyoubs Widerspruch richtungsweisend werden. Bis dahin müssen betroffene Apotheken den Widerspruchsprozess durchlaufen – und gleichzeitig strenge Dokumentationsvorgaben erfüllen.






