03 April 2026, 00:19

Apothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr Standorte schließen müssen

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Americans zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Apothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr Standorte schließen müssen

Apothekensterben in Deutschland: Seit 2010 ist die Zahl der Apotheken drastisch gesunken

In den vergangenen 13 Jahren hat sich die Anzahl der Apotheken in Deutschland deutlich verringert. Im Jahr 2010 kamen auf 100.000 Einwohner noch etwa 26 Apotheken, bis 2023 sank diese Zahl auf 21. Bis Ende 2025 werden voraussichtlich nur noch 16.600 öffentliche Apotheken übrig sein – der niedrigste Stand seit den 1970er-Jahren. Der Rückgang hat eine Debatte ausgelöst, während der Bundestagsgesundheitsausschuss derzeit über das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) berät.

Seit 2013 hat jede fünfte Apotheke in Deutschland geschlossen, wobei unklar bleibt, welche Regionen besonders betroffen sind. Trotz des Schwunds stellt Iris an der Heiden vom IGES-Institut fest, dass die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Apotheken nicht schlechter geworden sei. Gleichzeitig äußern Branchenvertreter jedoch Bedenken gegenüber den geplanten Änderungen.

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Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), begrüßte Vorhaben, die feste Apothekengebühr durch neue Regelungen zu erhöhen. Zugleich betonte er die Dringlichkeit, dem langfristigen Rückgang der Apothekenzahlen entgegenzuwirken. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband warnte hingegen, dass eine Erhöhung der Gebühr die Steuerzahler mit zusätzlichen Kosten von einer Milliarde Euro belasten würde.

Andere Akteure der Branche fordern schärfere Kontrollen. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband sprach sich für regelmäßige Überprüfungen von Logistikunternehmen aus, um eine sachgerechte Lagerung und den Transport von Arzneimitteln zu gewährleisten. Bork Bretthauer von Pro Generika lobte zwar die stabile Versorgung mit Biosimilars, forderte aber ein Verbot von Exklusivverträgen, die den Wettbewerb einschränken könnten.

Die Diskussion erstreckt sich auch auf berufliche Standards und Regularien. Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) lehnte Vorstöße ab, die eine Vertretung in Apotheken ohne zusätzliche Qualifikation ermöglichen würden. Ulrich Langenberg von der Bundesärztekammer (BÄK) sprach sich gegen Pläne aus, verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei abzugeben. Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) plädierte für eine Reform der Erstattungsregeln bei Rezepturarzneimitteln, da die aktuellen Vorschriften veraltet seien.

Das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz bleibt weiterhin umstritten. Während einige höhere Gebühren und strengere Auflagen fordern, warnen andere vor finanziellen Belastungen und Qualifikationslücken. Die Entscheidung wird maßgeblich prägen, wie das schrumpfende Apothekennetz in Deutschland in den kommenden Jahren funktionieren wird.

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