26 March 2026, 12:16

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?

Schwarze und weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile "Weitpreubliche Zeitung" und einem Foto von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung beim Feiern.

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?

Die ARD testet eine längere Version ihres Flaggschiff-Nachrichtenformats, der Tagesschau. Der Versuch startet mit einer 30-minütigen Ausgabe am Montagabend um 20:15 Uhr. Der Schritt erfolgt, nachdem die Einschaltquoten der klassischen 15-Minuten-Sendung in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken sind.

Seit 2021 ist die durchschnittliche Zuschauerzahl von 7,5 Millionen auf etwa 6,2 Millionen zurückgegangen. Der Sender hofft, dass das erweiterte Format das Vertrauen in die Medien stärkt und Zuschauer zurückgewinnen kann, die zu Streamingdiensten abgewandert sind oder ihr Nutzungsverhalten geändert haben.

Der Rückgang der Zuschauerzahlen vollzieht sich schrittweise, aber stetig. Jährliche Verluste von 4 bis 6 Prozent spiegeln eine alternde Zielgruppe und die Konkurrenz durch digitale Plattformen wider. Gleichzeitig verzeichnet die Tagesthemen – eine 25-minütige Sendung – ein Wachstum auf bis zu 3,5 Millionen Zuschauer. Positive Rückmeldungen aus Testphasen längerer Formate in den Jahren 2024/25 deuten zudem darauf hin, dass das Publikum vertiefende Nachrichtenberichterstattung bevorzugt.

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn präsentierte die verlängerte Sendedauer als Möglichkeit, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Er argumentierte, eine längere Tagesschau mache Nachrichten relevanter für den Alltag. Doch nicht alle teilen diese Einschätzung.

Kritiker, darunter die Journalistin Anna Mayr von der Zeit, sehen das Problem eher in der Qualität als in der Dauer. Andere fragen, ob 15 Minuten für Nachrichten überhaupt ausreichen, und warnen, dass ein 30-minütiger Sendeplatz das ARD-Abendprogramm durcheinanderbringen könnte. Einige Journalisten zweifeln zudem daran, ob der Versuch, Alltagsrelevanz herzustellen, die Zuschauer tatsächlich zurückgewinnen wird.

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Vorerst bleibt die 30-minütige Version ein Probeformat. Eine endgültige Entscheidung, ob sie dauerhaft eingeführt wird, steht noch aus. Der Test spiegelt die Bemühungen der ARD wider, sich an den Wandel im Medienkonsum anzupassen. Sollte das Experiment erfolgreich sein, könnte die erweiterte Tagesschau die Art und Weise verändern, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk Nachrichten vermittelt. Der Ausgang hängt davon ab, wie die Zuschauer reagieren und ob das längere Format den Rückgang der klassischen Nachrichtennutzung umkehren kann.

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