Autobranche im Umbruch: Warum Kunden Markenwerkstätten den Rücken kehren
Emma SchmidtAutobranche im Umbruch: Warum Kunden Markenwerkstätten den Rücken kehren
Nachverkaufsmarkt der Automobilbranche steht vor wachsenden Herausforderungen
Der Automobil-Nachverkaufssektor sieht sich mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert, da steigende Kosten und digitale Umbrüche das Kundenverhalten verändern. Fast die Hälfte der Autofahrer gibt an, deutlich höhere Ausgaben zu haben – viele wechseln daher zu unabhängigen Werkstätten statt zu markengebundenen Servicezentren. Gleichzeitig setzen Branchenführer auf neue Strategien und Technologien, um die Effizienz zu steigern und Kunden zu halten.
Auf einer kürzlichen Fachveranstaltung präsentierte Paul Beer von Emil Frey Digital die "INSiDE Workbench", ein digitales Werkzeug, das Nachverkaufsprozesse vereinfachen soll. Seine Demonstration zeigte, wie Automatisierung Verzögerungen bei der Serviceplanung und Rechnungsstellung reduzieren kann – zwei Bereiche, die auch Marten Kalmbach von der Kunzmann Group als entscheidend für mehr Effizienz hervorhob.
Kostendruck treibt Kunden von Markenwerkstätten weg Eine Umfrage ergab, dass 48,3 Prozent der Autofahrer mittlerweile deutlich höhere Wartungskosten tragen – unabhängige Werkstätten werden dadurch attraktiver. Peter Schäfer, Geschäftsführer von KreuterMedeleSchäfer, setzt als Reaktion auf diesen Trend verstärkt auf regionalen Vertrieb und Werkstattdienstleistungen, um die Kundentreue zu stärken. Dennoch kritisiert Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK, dass viele Händler ihr Nachverkaufspotenzial nicht ausschöpfen und so Chancen auf zusätzliche Einnahmen verpassen.
Ungewisse Zukunft für freie Werkstätten Obwohl saisonale Nachfrage – etwa durch Frühjahrs-Checks – in den letzten Jahren für stabile Geschäfte sorgte, bedrohen strengere Vorschriften und steigende Kosten die Zukunft unabhängiger Betriebe. Ab 2026 werden die Lizenzgebühren voraussichtlich über 20.000 Euro pro Jahr liegen, und Hersteller wie VW, BMW, Mercedes und Tesla schränken den Zugang zu Software weiter ein. Neuere Fahrzeuge mit digitalen Sperren begünstigen zudem vertragsgebundene Servicezentren, was kleinere Werkstätten benachteiligt.
Technologie als Treiber des Wandels Die Digitalisierung prägt die Branche zunehmend. Dr. Eric Günter Krause und Rolf Bialas von Genpact erläuterten, wie künstliche Intelligenz Finanzprozesse revolutioniert – von Garantieansprüchen bis zur Ersatzteilbestellung. Michael Hayer von EDAG Engineering wies hingegen auf eine überraschende Entwicklung hin: Europäische Fahrer bevorzugen weiterhin physische Bedienelemente im Fahrzeugcockpit, obwohl digitale Schnittstellen auf dem Vormarsch sind.
Nachverkaufsdienstleistungen entscheidend für Gebrauchtwagenhändler Für Händler von Gebrauchtfahrzeugen werden Aftersales-Services immer wichtiger. Kai Vogler, Vorstand von VWFS, betonte, dass ein starker Kundendienst die Käuferbindung in einem hart umkämpften Secondhand-Markt stärkt. Tolga Toker, Filialleiter der Bobrink Group, setzt stattdessen auf bundesweite Social-Media-Kampagnen, um Leads zu generieren und Kunden in seine Autohäuser zu locken.
Branche am Scheideweg Der Nachverkaufsmarkt steht vor einer Zäsur: Während Kunden vor allem Kosten sparen wollen, müssen Händler und Werkstätten sich an digitale und regulatorische Veränderungen anpassen. Unabhängige Betriebe könnten zwar kurzfristig stabil bleiben, doch steigende Gebühren und Herstellerrestriktionen könnten ihre Rolle in den kommenden Jahren schmälern. Effizienztools, zielgruppengerechtes Marketing und kundenorientierte Dienstleistungen bleiben vorerst entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben.






