EMAF-Festival in Osnabrück entfacht Debatte über Kunstfreiheit und Antisemitismusvorwürfe
Niklas BrandtEMAF-Festival in Osnabrück entfacht Debatte über Kunstfreiheit und Antisemitismusvorwürfe
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück gerät in die Kritik, weil es einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif in sein Programm aufgenommen hat. Politische Vertreter, darunter Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, distanzieren sich von der Veranstaltung – Grund sind angebliche Verbindungen al-Sharifs zur BDS-Bewegung. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen nicht ihre künstlerischen Arbeiten, sondern ältere Beiträge in sozialen Medien.
Das unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" stehende Festival setzt sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung auseinander. Doch die Entscheidung, Morning Circle zu zeigen, hat eine breitere Debatte über Zensur, Antisemitismus und die Repräsentation Palästinas in Deutschland entfacht.
Al-Sharifs Teilnahme stößt bei kommunalen und Landesvertretern auf scharfe Ablehnung. Der Osnabrücker Kulturdezernent erklärte, das Festival hätte ihr Werk ausschließen müssen, um nicht "antisemitische Positionen zu fördern". Die Landesregierung betont zwar die programmatische Unabhängigkeit des EMAF, lehnt Antisemitismus in jeder Form jedoch entschieden ab.
Die Auseinandersetzung beschränkt sich nicht auf den Film selbst. Kritiker werfen al-Sharif vor, die BDS-Bewegung zu unterstützen, und verweisen auf frühere Social-Media-Posts – darunter ein Halloween-Foto – als Beleg für antisemitische Untertöne. Die künstlerische Leiterin des Festivals hingegen bezeichnet diese Beiträge als mehrdeutig und interpretationsoffen.
Die politische Spaltung vertieft sich. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentiert, palästinensische Stimmen dürften nicht unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen gebracht werden. Seine Haltung steht im Kontrast zur allgemeinen Entwicklung in Deutschland, wo die BDS-Bewegung seit 2019 zunehmend unter Druck gerät. In Parlamentsbeschlüssen, Parteitagen und öffentlichen Debatten wird pro-palästinensisches Engagement wiederholt mit einem Anstieg antisemitischer Vorfälle in Verbindung gebracht.
Das EMAF hat eine Tradition darin, palästinensische Künstler:innen einzubinden, zeigt aber auch jüdische und israelische Perspektiven in seinem Programm. Das diesjährige Motto "Eine unvollendete Versammlung" thematisiert direkt die Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck und gesellschaftlicher Verantwortung. Doch die Entscheidung, al-Sharifs Werk zu präsentieren, überlagert nun die eigentliche Botschaft des Festivals und rückt es in den Brennpunkt der anhaltenden kulturellen und politischen Konflikte in Deutschland.
Trotz der zurückgezogenen Unterstützung wird der Film wie geplant gezeigt. Offizielle Stellen betonen, man respektiere zwar die künstlerische Autonomie, könne aber Inhalte, die mit Antisemitismus in Verbindung gebracht werden, nicht billigen. Die Debatte spiegelt die größeren Spannungsfelder in Deutschland wider – zwischen Meinungsfreiheit, politischem Aktivismus und den Grenzen des sagbaren Diskurses über Israel und Palästina.






