08 May 2026, 00:22

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen mit Trump und der AfD

Altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen historisch-politisch in Instrumentum Pacis" geöffnet auf einer Seite mit schwarzer Tinte umgeben von einem dekorativen Rahmen.

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen mit Trump und der AfD

Der Historiker Horst Möller hat sich zu den Risiken geäußert, voreilige Parallelen zwischen vergangenen und aktuellen politischen Krisen zu ziehen. In jüngsten Debatten vergleichen Medien und Kommentatoren häufig moderne Persönlichkeiten wie Donald Trump mit historischen Diktatoren. Möller warnt, dass solche Vergleiche oft den weiteren historischen Kontext und langfristige Auswirkungen außer Acht lassen.

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Möller betont, dass fundierte historische Vergleiche eine Betrachtung vollständiger Ereignisse erfordern – nicht nur isolierter Details. Er weist darauf hin, dass der Zusammenbruch der Weimarer Republik sich über zwölf Jahre hinzog, während sich die Herausforderungen der Bundesrepublik über 76 Jahre auf einer ganz anderen Ebene entwickelten. Beide Epochen waren von schuldengetriebenen Politiken und Inflation geprägt, doch Möller unterstreicht, dass Ähnlichkeiten stets mit den entscheidenden Unterschieden abgewogen werden müssen.

In der öffentlichen Debatte gab es provokante Vergleiche, etwa das Titelbild des Stern mit Trump in Nazi-Grußhaltung unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ – eine Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf“. Auch der Spiegel griff zu drastischen Bildern, etwa Trump mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue. Möller hält solche Vergleiche für problematisch, wenn sie aus ihrem historischen Gesamtzusammenhang gerissen werden.

Der Historiker lehnt zudem die Vorstellung eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur nach dem Ersten Weltkrieg ab. Er verweist darauf, dass damals viele europäische Nationen politisch labil waren – nicht nur Deutschland. Zur AfD äußert Möller, er sehe in ihr keine „faschistische“ Partei, da es keine Belege für einen „Führerkult“ in ihren Reihen gebe.

Möllers Position unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Analyse, bevor aktuelle Entwicklungen mit historischen Vorbildern gleichgesetzt werden. Er besteht darauf, dass sich sinnvolle Parallelen erst ziehen lassen, wenn die Geschichte vollständig abgelaufen ist. Seine Warnungen kommen zu einer Zeit, in der Medien und politische Rhetorik die Vergangenheit zunehmend als Bezugspunkt für die Diskussion heutiger Krisen heranziehen.

Quelle