Joey Skaggs entlarvt mit Aprilscherz-Umzug die Leichtgläubigkeit der Medien
Philipp MeyerJoey Skaggs entlarvt mit Aprilscherz-Umzug die Leichtgläubigkeit der Medien
Seit fast vier Jahrzehnten narrt der Künstler Joey Skaggs die Medien New Yorks mit einem jährlichen Aprilscherz-Umzug. Jedes Jahr locken seine ausgeklügelten Pressemitteilungen Reporter, Fotografen und sogar Marschkapellen an die Fifth Avenue – nur um sie mit nichts weiter als Satire und Spektakel zu konfrontieren. Die diesjährige Veranstaltung lädt die Öffentlichkeit ein, die Realität selbst zu hinterfragen: mit einem vom "Präsidenten" angeführten Umzug, der Vorführung einer satirischen Mockumentary und Lesungen aus geschwärzten Gerichtsakten.
Skaggs inszenierte seinen ersten Aprilscherz-Umzug 1986 und machte die Medientäuschung seitdem zur jährlichen Tradition. Monate lang bastelt er an gefälschten Zeitungsartikeln und Pressemitteilungen, die jeweils darauf abzielen, zu testen, was die Menschen glauben – und warum. Der Streich zieht regelmäßig Berichterstattungen großer Medien wie der New York Times, der New York Post oder lokaler Sender wie NY1 an, doch der Umzug selbst hält selten, was seine übertriebenen Versprechungen suggerieren.
Frühere Veranstaltungen umfassten unter anderem einen Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb und eine Y2K-Apokalypse-Party. Das diesjährige Motto – "Was ist real, was nicht?" – präsentiert einen Umzug unter Führung einer Figur, die sich als Präsident ausgibt, gefolgt von der Vorführung einer satirischen "Melania-Mockumentary" und Lesungen aus den Jeffrey-Epstein-Akten. Skaggs versteht seine Scherze als politische Kunst: Mit Humor stellt er Autoritäten infrage und fördert öffentliche Skepsis.
Seine Arbeit knüpft an eine lange Tradition prominenter Scherze an. 1985 täuschte Sports Illustrated Leser mit einer Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, einen fiktiven Pitcher der Mets, der angeblich einen 270 km/h schnellen Wurf beherrschte. Dreizehn Jahre später veranstaltete David Bowie eine Eröffnungsfeier für einen erfundenen Verlag – der Schriftsteller William Boyd gab später zu, dass das gesamte Unternehmen frei erfunden war.
Die eigentliche Wirkung des Umzugs liegt darin, die Leichtgläubigkeit der Medien und das öffentliche Vertrauen bloßzulegen. Jahr für Jahr erscheinen Reporter und Teilnehmer in der Erwartung großartiger Inszenierungen – und sehen sich stattdessen mit Satire konfrontiert. Skaggs' Streiche erinnern uns daran: In einer Ära der Desinformation ist es wichtiger denn je, das, was wir glauben, kritisch zu hinterfragen.






