Pharmazeutische Dienstleistungen in Deutschland: Wachstum ohne Gewinn für Apotheken
Philipp MeyerPharmazeutische Dienstleistungen in Deutschland: Wachstum ohne Gewinn für Apotheken
Deutschlands vergütete pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) stehen trotz Ausweitung vor wachsenden Herausforderungen
Obwohl das pDL-Programm expandiert, bleibt ein 537-Millionen-Euro-Fonds weitgehend ungenutzt, während viele Apotheken mit zentralen Dienstleistungen kaum die Gewinnzone erreichen. Branchenverbände warnen nun, dass ohne Kurskorrekturen der langfristige Erfolg des Systems auf dem Spiel steht.
Seit dem Start des pDL-Programms im Jahr 2020 ist die Nachfrage nach einigen Leistungen stark gestiegen. So erhöhte sich die Zahl der Schulungen zur korrekten Inhalationstechnik von etwa einer halben Million im Jahr 2020 auf über 2,5 Millionen bis 2025 – das zeigen Daten der ABDA und der gesetzlichen Krankenkassen. Doch trotz dieses Wachstums bleibt die Abrechnung der pDL-Leistungen hinter den Erwartungen der Apotheken zurück.
Besonders deutlich wird die finanzielle Belastung bei den Bluthochdruck-Risikochecks, für die pro Untersuchung netto 11,20 Euro erstattet werden. Nur etwa jede dritte Apotheke erwirtschaftet damit Gewinne, mehr als die Hälfte arbeitet mit Verlusten. Die Freie Apothekerschaft (FA) bestätigt, dass zwar das nötige Fachwissen vorhanden sei, die Vergütung die Kosten jedoch oft nicht decke.
Neben finanziellen Problemen kämpfen Apotheken mit praktischen Hindernissen: Personalmangel, hoher Verwaltungsaufwand und beengte Räumlichkeiten erschweren die Dienstleistungserbringung. Berufsübergreifende Spannungen verschärfen die Lage zusätzlich. Die FA warnt davor, ungenutzte pDL-Mittel einfach in allgemeine Apothekenzahlungen umzuleiten – dies könnte die Grundlagen des Programms untergraben, statt seine strukturellen Schwächen zu beheben.
Als Reaktion fordert der Deutsche Apothekerverband (DAV) nun höhere, nachhaltige Vergütungssätze. Die Politik steht unter Druck, das System so anzupassen, dass pDL-Leistungen bundesweit tragfähig und zugänglich bleiben.
Die Zukunft des pDL-Programms hängt davon ab, finanzielle und operative Hürden zu überwinden. Ohne Reformen drohen die 537 Millionen Euro ungenutzt zu bleiben – und Apotheken könnten weiterhin Verluste bei essenziellen Dienstleistungen machen. Die Verbände betonen, dass gezielte Anpassungen und nicht bloße Umverteilungen nötig sind, um die Stabilität des Programms zu sichern.