Streit um Lehrerbeförderungen: Gymnasien in Baden-Württemberg benachteiligt?
Niklas BrandtStreit um Lehrerbeförderungen: Gymnasien in Baden-Württemberg benachteiligt?
Baden-Württembergs Bildungsministerium hat Pläne für neue Beförderungsmöglichkeiten für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen vorgestellt. Bis Mai sollen mehrere hundert Stellen der Besoldungsgruppe A14 an verschiedenen Schulformen besetzt werden. Die Initiative stößt jedoch auf Kritik beim Philologenverband, der dem Vorwurf erhebt, die Regelung benachteilige gezielt Gymnasiallehrkräfte.
Die Beförderungsrichtlinie orientiert sich an der Verwaltungsvorschrift "Beförderung zur Oberstudienrätin/zum Oberstudienrat", die zuletzt im März 2001 aktualisiert wurde. Traditionell stellt die Einstufung in A14 für erfahrene Lehrkräfte einen wichtigen Karriereschritt dar – nach dem Einstieg in A13.
Laut dem neuen Konzept entstehen 81 A14-Stellen für Gymnasien, während Berufsschulen 203 Positionen erhalten. Weitere Beförderungen sind zudem für Gemeinschaftsschulen vorgesehen. Der Philologenverband wirft dem Ministerium vor, die Zuweisungen zulasten der Gymnasien umzuschichten und damit die berufliche Entwicklung ihrer Lehrkräfte zusätzlich zu verzögern.
Der Verband spricht von einem "haushaltspolitischen Taschenspielertrick" und warnt vor einer "systematischen Unterfinanzierung" der Gymnasien. In einer aktuellen Stellungnahme bezeichnet er die Politik als strukturell fehlerhaft: Der Staat strebe zwar gleiche Beförderungschancen an, unternehme aber weder die nötigen finanziellen noch planerischen Anstrengungen.
Die Auseinandersetzung offenbart die Spannungen bei der Ressourcenverteilung im baden-württembergischen Bildungssystem. Während Berufsschulen 203 A14-Stellen zugewiesen bekommen, erhalten Gymnasien deutlich weniger – ein Ungleichgewicht, das der Verband scharf kritisiert. Eine Reaktion des Ministeriums auf die Vorwürfe zur Umverteilung der Stellen steht noch aus.