Streit um neues Rüstungsunternehmen für Drohnenabwehr in Brandenburg an der Havel
Philipp MeyerStreit um neues Rüstungsunternehmen für Drohnenabwehr in Brandenburg an der Havel
Neues Verteidigungs-Technologieunternehmen startet in Brandenburg an der Havel
In Brandenburg an der Havel soll ein neues Unternehmen für Verteidigungstechnologie an den Start gehen. Das Projekt wird von der Heidelberger Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies (HDAT) und dem US-israelischen Unternehmen OAS geleitet und konzentriert sich auf autonome Drohnenabwehrsysteme. Das Werk beschäftigt derzeit rund 400 Mitarbeiter und stellt seit 1991 mechanische Komponenten für Druckmaschinen her.
HDAT und OAS werden in der Stadt ein gemeinsames Unternehmen gründen, das sowohl militärische als auch zivile Märkte bedienen soll. Ihr erstes Ziel ist es, die bestehende Drohnenabwehrtechnologie von OAS in Deutschland und der Ukraine zu vermarkten, bevor eine Expansion in der gesamten EU folgt.
Die Ankündigung hat unter lokalen Politikern eine Debatte ausgelöst. Bürgermeister Daniel Keip (SPD) unterstützt das Vorhaben und bezeichnet es als "Aufschwung für den Industriestandort Brandenburg an der Havel". Kritiker hingegen warnen vor den Risiken einer Ausrichtung auf Rüstungsproduktion.
Heidi Hauffe, Vorsitzende des örtlichen Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), lehnt den Schritt ab und verweist auf mögliche Gefahren für die Stadt. Der BSW-Landesabgeordnete Andreas Kutsche bezeichnet Militärinvestitionen als "totes Kapital", das kein nachhaltiges Wachstum fördere. Die Linken-Politikerin Christin Willnat plädiert stattdessen für die Förderung ziviler Technologien und hinterfragt Exporte in instabile Regionen.
Auch Anwohner melden Bedenken an. Dominik Mikhalkevich aus dem Stadtteil Hohenstücken kritisiert jahrzehntelange Vernachlässigung und fordert stattdessen eine Stärkung der zivilen Wirtschaft anstelle der Abhängigkeit von Rüstungsaufträgen. Das Werk bietet derzeit Ausbildungsplätze in den Bereichen Industriemechanik und Mechatronik an, doch die neue Ausrichtung könnte den Schwerpunkt verändern.
Das Joint Venture wird seine Tätigkeit in Brandenburg an der Havel aufnehmen und Drohnenabwehrsysteme für den europäischen Markt produzieren. Während lokale Vertreter die wirtschaftlichen Vorteile betonen, pochen Gegner auf nachhaltige, zivil orientierte Industrien. Welche langfristigen Auswirkungen das Projekt auf die Arbeitsplätze und die Wirtschaft der Stadt haben wird, bleibt abzuwarten.






