Wie Wälder heimlich unser Wasser retten – und warum das jetzt entscheidend wird
Mia SchmitzWie Wälder heimlich unser Wasser retten – und warum das jetzt entscheidend wird
Wälder spielen eine weit größere Rolle bei der Wasserregulierung, als vielen bewusst ist. Sie wirken als natürliche Puffer: Sie speichern Regen, füllen das Grundwasser auf und beeinflussen sogar das lokale Wetter. Nun testen neue Projekte, wie sich diese Fähigkeiten angesichts des Klimawandels gezielt stärken lassen.
Waldböden funktionieren wie ein riesiger Schwamm – sie saugen Regen und Schmelzwasser auf. Dadurch verlangsamt sich der Oberflächenabfluss, und das Wasser kann langsam durch die Erdschichten sickern, bevor es als sauberes Grundwasser wieder austritt. Im Winter lassen Laubmischwälder mehr Niederschlag bis zum Boden durchdringen, da kahlen Ästen weniger Widerstand entgegensetzen. Dieser saisonale Vorteil hilft, die unterirdischen Reserven gerade dann aufzufüllen, wenn sie am dringendsten gebraucht werden.
Strukturreiche Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten und Altersstufen optimieren den Wasserhaushalt zusätzlich. Durch die Verdunstung über die Blätter kühlen sie die Luft, schaffen im Sommer eine erfrischende Wirkung und fördern gleichzeitig die Wolkenbildung und lokale Niederschläge. Ihre dichten Baumkronen und tiefen Wurzeln schützen zudem vor Starkregen, mindern Bodenerosion und verringern das Risiko plötzlicher Überschwemmungen.
Um diese natürlichen Vorteile zu verstärken, führt das Forstliche Forschungsinstitut Baden-Württemberg Pilotprojekte durch. Dazu gehören etwa die Gestaltung von Wasserquerungen entlang von Waldwegen, um Feuchtigkeit länger im Ökosystem zu halten. Ziel ist es, wissenschaftliche Daten zu sammeln, wie wirksam solche Maßnahmen sind und wie sie sich am besten umsetzen lassen. Bisher hat kein anderes Bundesland vergleichbare Initiativen nach diesem Modell gestartet.
Fachleute betonen die Dringlichkeit, Wälder in klimaresistente Mischbestände umzuwandeln. Angesichts häufigerer Dürren und Extremregen könnte eine Anpassung der Wälder helfen, die Wasserversorgung zu stabilisieren und Gemeinden vor Wetterextremen zu schützen.
Die Projekte in Baden-Württemberg sollen beweisen, dass bereits kleine Änderungen in der Forstwirtschaft große Auswirkungen auf die Wassersicherheit haben können. Gelingen die Versuche, könnten die Erkenntnisse größere Bemühungen leiten, Wälder zu stärkeren Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise zu machen. Derzeit liegt der Fokus darauf, diese naturbasierten Lösungen zu testen, zu messen und weiterzuentwickeln.






