Lieferkettengesetz: Warum SAP und seine Kunden über Compliance-Kosten streiten
Philipp MeyerLieferkettengesetz: Warum SAP und seine Kunden über Compliance-Kosten streiten
Deutschlands Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG) trat im Januar 2023 in Kraft und stellt große Unternehmen vor neue Herausforderungen. Das Gesetz verpflichtet Firmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten – und ab 2024 solche mit 1.000 oder mehr Mitarbeitern – dazu, ihre globalen Lieferketten auf Risiken für Menschenrechte und Umwelt zu überwachen. Dies hat zu Diskussionen zwischen SAP und seiner Anwendergruppe über Compliance-Kosten und Lösungsansätze geführt.
Das LkSG schreibt vor, dass betroffene Unternehmen Risikomanagementsysteme einführen und regelmäßig Risikoanalysen in ihren ERP-Systemen durchführen müssen. Für viele bedeutet dies die Integration neuer Compliance-Tools in bestehende Software. SAP hat reagiert, indem es über Support-Pakete und neue Versionen Updates anbietet und dabei Lösungen wie SAP Ariba Supplier Risk und das SAP Business Network in den Vordergrund stellt. Das Unternehmen empfiehlt SAP Ariba Supplier Lifecycle and Performance als grundlegendes Werkzeug, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
Doch es gibt Spannungen zwischen SAP und der deutschsprachigen SAP-Anwendervereinigung (DSAG). Thomas Henzler, Vorstandsmitglied der DSAG, argumentiert, dass Compliance-Funktionen in den Standard-Wartungsgebühren enthalten sein sollten, statt zusätzliche Käuf zu erfordern. Die DSAG kritisiert, dass SAP seine Ariba-Risk-Management-Lösung als primären Compliance-Weg bewirbt und damit eine unzumutbare Belastung für Kunden schafft.
SAP verteidigt sein Vorgehen und betont, dass bestehende Nutzer seiner Ariba-Supplier-Management-Produkte die LkSG-Anforderungen ohne zusätzliche Kosten erfüllen können. Das Unternehmen gibt an, die Kritik der DSAG nicht vollständig nachvollziehen zu können, da es die aktuellen Angebote für ausreichend und kostenneutral hält – zumindest für diejenigen, die die relevanten Tools bereits einsetzen.
Da das Gesetz auch extraterritoriale Wirkung entfaltet, betrifft es nicht nur deutsche Unternehmen, sondern auch internationale Konzerne mit bedeutenden Geschäftsaktivitäten in Deutschland. Zwar liegen keine spezifischen Daten vor, die besondere Auswirkungen auf SAP-Nutzer belegen, doch zeigen Analysen aus dem Jahr 2025, dass globale Unternehmen ihre Systeme an die neuen Standards anpassen.
Das LkSG zwingt Unternehmen dazu, ihre Lieferkettenüberwachung neu zu denken – SAP bietet hier maßgeschneiderte Lösungen über seine Ariba-Plattform an. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, ob diese Tools zusätzliche Kosten verursachen oder in bestehende Dienstleistungen integriert werden sollten. Mit der Ausweitung des Gesetzes auf kleinere Unternehmen ab 2024 müssen sich noch mehr Firmen anpassen, um Strafen zu vermeiden.






